Autorin

Kurzbiografie

  • Autorenpseudonym: Anna Maria Sanders
  • geboren 1961
  • verheiratet, zwei Söhne, der jüngere davon (derzeit 15 Jahre alt) hat ADHS
  • 1980 Matura (Abitur)
  • 1980 – 1987 mehrere längere Auslandsaufenthalte in den USA, Germanistikstudium an der Universität Salzburg
  • Seit 2003 intensive Auseinandersetzung mit dem Thema ADHS
  • 2014-2015 Verfassen des ersten Buches Ich dreh gleich durch! Tagebuch eines ADHS-Kindes und seiner genervten Leidensgenossen

Autobiografischer Hintergrund zum Buch „Ich dreh gleich durch!“

Bereits im frühen Kindesalter wurde bei unserem jüngeren Sohn Raphael1 ADHS diagnostiziert. Kaum aus dem Nachtschlaf erwacht, fegte er täglich wie ein Wirbelwind durchs Haus, während sein eineinhalb Jahre älterer Bruder ein „normales“, wenn auch aufgewecktes und aktives Kind war. Im Kindergarten, der pädagogisch wirklich gut ausgebildetes Personal hatte, bestand dann keine Chance, dass Raphael – damals drei Jahre alt – alleine dort blieb. Dies ist leider typisch für ein AHDS-Kind: viel länger andauernde Trennungsängste, da diese Kinder meist große Entwicklungsverzögerungen aufweisen. Als dann ein Alleinebleiben im Kindergarten im Alter von vier Jahren endlich einigermaßen möglich war, gab es wieder nur Probleme mit Regelbrüchen, Impulsivität, Hyperaktivität, Ungestümsein, sich und andere in Gefahr Bringen, geistiger Unreife etc. All das führte dazu, dass Raphael dann schlussendlich auch ein Jahr länger im Kindergarten blieb. Schule mit sechs Jahren wäre undenkbar gewesen.

Sie war auch mit sieben Jahren kaum möglich. Mit heraushängender Zunge und dank einer Grundschullehrerin, die sich täglich mehrere Orden verdient hätte, schafften wir die vier Jahre mit einer einzigen Zwei im Endzeugnis. Daher fiel die Entscheidung für die Sekundarstufe auf ein Gymnasium, wo der Kampf weiterging. Verhaltenstechnisch wurde aber bereits mit Beginn der zweiten Klasse Unterstufe (sechste Schulstufe) alles wesentlich besser (sowohl in der Schule als auch privat), leistungsmäßig erst im Jahr darauf. Trotzdem musste Raphael mehr lernen als das Durchschnittskind, obwohl er überaus intelligent ist. Nur: Wer nie aufpasst und andauernd träumt, bekommt vieles nicht mit. Und wer seine halben Unterlagen und Materialien ständig verliert und vergisst, verbringt sehr viel Zeit mit Suchen, Nachschreiben, Kopieren und Abfotografieren (es lebe das Smartphone!).

Wie in der Vorgeschichte zum Buch beschrieben wird, hat sich Raphael, der inzwischen 16 Jahre alt ist, aber hervorragend entwickelt – sowohl zu einem wunderbaren Menschen als auch zu einem „funktionstüchtigen Mitglied der Gesellschaft“. Wie ist das gelungen? Nun, man kann vor allem in erzieherischer Hinsicht einfach wahre Wunder bewirken, wenn man weiß, worauf es ankommt. Und nach dem Lesen unzähliger Werke zum Thema war klar, woran ich mich intuitiv auch schon vorher immer gehalten hatte: Kinder, aber ganz speziell Kinder mit ADHS, brauchen neben klaren Regeln, Grenzen und Strukturen auch immer die nötige Liebe, Wertschätzung, Unterstützung, und Lob für (endlich) Gelungenes, d.h. sie benötigen liebevolle Strenge aber auch mal ein wenig mehr Flexibilität beim Einfordern von Regeln, weil sie eben nicht auf Knopfdruck funktionieren und viele Anläufe mehr als Kinder ohne diese Störung brauchen, bis Dinge so klappen, wie Mama und Papa, die Lehrkräfte und alle rund um sie das möchten. Wie das genau funktioniert, beschreiben Mum und Dad, aber auch Max sehr anschaulich im Buch Ich dreh gleich durch!

Meine Einstellung zu Ritalin und Co.

Es kann einfach kein klares Ja oder Nein zum Thema „Medikamente bei ADHS“ geben. Dogmen sind bei diesem Thema meines Erachtens völlig fehl am Platz und machen geistig unflexibel. Wir selbst haben unserem jüngeren Sohn nie Medikamente gegeben. Ich denke aber, dass es gar nicht wenige Fälle gibt, in denen sie trotz aller Nebenwirkungen immer noch das geringere Übel sind. Denn bei einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Kindern ist die Symptomatik so stark ausgeprägt, dass sie mit Medikamenten wenigstens die Chance haben, einen vernünftigen Schulabschluss zu erlangen und sozial nicht so auffällig zu werden, dass sie keine Freunde haben, ihre eigenen Eltern sie aufgeben und sie schlussendlich substanzabhängig oder straffällig werden. Wer also Eltern anklagt, die ihren Kindern Medikamente geben, maßt sich ein Urteil an, das ihm – und das sage ich jetzt einmal ganz gerade heraus – nicht zusteht. Denn jedes Kind, jede Familie findet sich in einer individuellen Situation wieder, die mit der von anderen Betroffenen nur teilweise übereinstimmt.

Was meiner Ansicht nach in jenen Fällen, in denen den Kindern Medikamente verabreicht werden, dennoch sehr wichtig ist, ist die Tatsache, dass Medikamente kein Allheilmittel sind und man sein Kind auch noch anders unterstützen kann, da es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, zu versuchen, die ADHS in den Griff zu bekommen. In schweren Fällen sind Medikamente aber oft auch schon allein deshalb nötig, um die Kinder überhaupt für eine Therapie zugänglich zu machen. Am Ende des Tages und nach dem Einholen der Meinungen von Ärzten, Psychologen und Pädagogen muss dann aber jeder seinem Mutter-/Vaterherz und seinem Bauchgefühl folgen und das tun, von dem er spürt, dass es für sein Kind das Geeignetste ist. Und das wissen immer jene Personen am ehesten, die zum Kind die engste Beziehung haben, es am besten kennen: in der Regel Mama und Papa.

 

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