Ich dreh gleich durch!

ich-dreh-gleich-durch-coverAm 18. April wird mein Erstlingswerk im Gütersloher Verlagshaus erscheinen: Ich dreh gleich durch! Tagebuch eines ADHS-Kindes und seiner genervten Leidensgenossen.

Zum Inhalt

Max ist wie viele ADHS-Kinder rhetorisch besonders begabt. Knapp zwölfjährig bekommt er zu Weihnachten ein Tagebuch geschenkt, in dem er sich zu seinem komplizierten Leben als anders tickendes Kind auf überaus unterhaltsame Art und Weise auslässt. Er ist unüberlegt, impulsiv, unkonzentriert, hibbelig, aufgekratzt, planlos, hört nie zu, verliert und vergisst alles, bringt sich und andere ständig in Gefahr – mit einem Wort: Er ist mega-anstrengend! In der Schule hat der Rotschopf daher schon verschiedene Spitznamen: Nix-Checker, Zeitlupendenker, Mister-Ameisen-im-Po, die rote Gefahr.
Zu Wort kommen im Buch aber auch jene, die von Max’ Andersartigkeit betroffen sind und sich ebenfalls in Form von Tagebucheinträgen ihre liebe Not mit dem Energiebündel von der Seele schreiben. Während Max also von einem Malheur ins andere stolpert, bieten sich dem Leser immer zwei Perspektiven von ein und derselben Situation: die des an ADHS erkrankten Kindes Max und jene des unter seinem Verhalten Leidenden. Es bleibt bis zuletzt spannend, ob Max’ Eltern den Mut fassen werden, ihn wegen ihrer Vermutung auf ADHS einem Psychologen vorzustellen und ob der Junge trotz seines Verhaltens in der Schule auf Sportwoche mitfahren darf.
ADHS einmal anders: Ein Buch, das dem Leser einen tiefen Einblick in die Seelenwelt der Betroffenen und der „Mitleidenden“ gibt, und somit hilft, beide Seiten besser zu verstehen. Gleichzeitig ist die Geschichte ein echter Angriff auf die Lachmuskeln.

Leseproben

Leseprobe – Ich dreh gleich durch! (PDF)

Hörproben

Max bekommt ein Taaaagebuch

Max stellt sich und seine Familie vor

Chaos im Skiurlaub

Textprobe  „wissenschaftliche Auszüge“ in den Tagebucheinträgen: Dad schreibt zum Thema „Gerechtigkeitssinn“

Stress in der Mathestunde

Tante Alma, die Schreckschraube

Wie dieses Buch entstanden ist

Das Buch hat durchaus autobiografischen Hintergrund. Seit vierzehn Jahren kämpfen wir als Familie mit ADHS – allerdings weniger innerhalb der Familie als vielmehr gegen all jene, die kein Verständnis für diese Störung haben. Und wenn ich von „Kampf“ spreche, dann meine ich das auch so. Kinder mit ADHS und deren Eltern sehen sich – wie das Buch zeigt – rund um die Uhr, Tag für Tag, Jahr für Jahr besonderen Herausforderungen gegenüber. Weil Eltern damit aber meist an ihre Grenzen geraten bzw. auch oft aufgrund der Unwissenheit der Erziehenden, erfahren viele Kinder mit dieser Störung häufig nicht die angemessene Unterstützung, die sie brauchen würden, um den Anforderungen unserer Gesellschaft gerecht zu werden. Sie sind daher im Vergleich zur „Normalbevölkerung“ zu einem weit höheren Prozentsatz arbeitslos, delinquent und alkohol- oder drogenabhängig. Werden sie aber entsprechend unterstützt und begleitet, wachsen sie in der Regel zu wunderbaren Menschen heran, die der so genannten Normalbevölkerung oft in vielerlei Hinsicht überlegen sind.
Unser von ADHS betroffener Sohn, Raphael1, zeigt uns dies jeden Tag aufs Neue: Er ist extrem sozial, kümmert sich um andere, ist entzückend zu jüngeren Kindern und Tieren, liebevoll im Umgang mit seinen Mitmenschen (wenn er nicht gerade wütend oder im Kaspar-Modus ist), er ist einsichtig in Bezug auf seine Fehler, kann sich für Dinge, die schiefgelaufen sind, entschuldigen, teilt und gibt, egal wie gerne er eine bestimmte Sache selbst gerne hätte, lernt in der Zwischenzeit ohne zu motzen, konzentriert sich in der Schule immer besser, vergisst und verliert von Jahr zu Jahr weniger, … mit einem Wort: Er ist am besten Weg, ein „funktionierendes“ Mitglied der Gesellschaft zu werden – ein wunderbarer Mensch ist er jetzt schon!
Wie ist das gelungen? Nun mein Mann und ich haben uns ihm gegenüber vierzehn Jahre lang so verhalten, wie Mum und Dad in Ich dreh gleich durch!

Doch trotz aller Bemühungen träumt Raphael immer noch mehr als andere Kinder seines Alters, verliert und vergisst häufiger Dinge, kann sich bei Weitem nicht so lange konzentrieren wie seine Altersgenossen, ist hibbelig und zappelig und auch der Schalk sitzt ihm noch im Nacken. Aber all das hat sich in den vergangenen Jahren wirklich spürbar verbessert. Und wenn seine Erziehung bisher auch wesentlich mühsamer gewesen ist, so hatte das auch etwas Positives. Als Eltern haben wir vieles gelernt und sind – so meinen wir von uns behaupten zu können – an der Aufgabe gewachsen. Ein Kind wie Raphael hält seinen Eltern täglich einen Spiegel vor, zeigt uns jeden Tag aufs Neue unsere Schwächen, aber auch unsere Stärken auf. Und so hat sich nicht nur Raphael entwickelt, sondern auch wir.

Wir sind daher dem lieben Gott, dem Universum, oder wer auch immer dafür zuständig sein mag, dass Raphael in unserer Familie „gelandet“ ist, unendlich dankbar, denn: Er ist wie jedes Kind ein Geschenk – eben nur versehen mit einer extra Schleife, die ihn zu etwas Besonderem macht.

Idee zum Buch

Schon seit einigen Jahren wollte ich ein Buch zum Thema Erziehung schreiben. Doch ein Erziehungsratgeber war nicht wirklich das, was mir vorschwebte. Zu viele gab es davon schon, zu oft war bereits das Gleiche gesagt und geschrieben worden. Und je mehr Zeit verging, desto sicherer wurde ich mir: Es sollte eigentlich kein Buch zu Erziehung im herkömmlichen Sinne werden, sondern das Buch sollte darauf fokussieren, was in unserem Leben die meisten Probleme schuf: die ADHS-Störung unseres Sohnes.

Doch auch zu ADHS gab es schon hunderte Werke, in deren unüberschaubaren Fluten ich mit dem, was ich zu sagen und zu schreiben hatte, nicht untergehen wollte. Eine Idee allerdings, es anders zu machen, anders zu sagen, wollte sich nicht so recht anbieten. Also schlummerte das Vorhaben in einer Art Dornröschenschlaf jahrelang vor sich hin bis … ich im Fernsehen in einem Reality-TV-Format plötzlich eine Person sah, die sowohl optisch als auch in ihrem ganzen Verhalten das ältere Geschwisterkind unseres Sohnes sein hätte können.
Die Person war zwar schon erwachsen, aber die Parallelen zu unserem Kind waren unverkennbar: Sie bekam nur die Hälfte dessen mit, was für sie wichtig gewesen wäre, passte nie auf, wenn andere Dinge sagten, die wesentlich für sie gewesen wären, wurde mehr oder weniger aus der Gruppe ausgeschlossen, verletzte sich und andere immer wieder, etc. Und nach all dem, was ich von meinem eigenen Kind und durch all die über die Jahre gelesene Literatur und die besuchten Seminare bereits wusste, war ich mir ziemlich sicher, mit meiner Vermutung recht zu haben, dass diese Person an ADHS litt. Ich kannte damals zwar auch schon viele andere Menschen mit ADHS, aber schlussendlich waren sie es und die auffallenden Ähnlichkeiten zu unserem Sohn, die mich auf die Idee brachten, all das Erlebte von Betroffenen, ihre auf Umwegen laufenden Gedanken, ihre Ängste und Nöte, aber auch ihre Stärken in Form von Tagebucheinträgen eines betroffenen Kindes und der Menschen aus seinem Umfeld zu Papier zu bringen.
Dies sollte mein Weg werden, um Menschen, die über diese Krankheit nicht (ausreichend) Bescheid wussten, einen Einblick in das Seelenleben jener zu geben, die tagtäglich damit zu kämpfen haben. Es sollte aber auch ein Sprachrohr für jene werden, die in regelmäßigem Kontakt zu an ADHS Erkrankten stehen und sehr belastet von deren Verhalten sind. Denn erst wenn beide Seiten einander besser verstehen, kann eine Basis für ein entspannteres Miteinander geschaffen werden. Ich hoffe, dass dies mit Ich dreh gleich durch! gelungen ist.

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